Der erschütternde Blutzoll der Bürgerkriege
In den zwar ohne Hightechwaffen, aber mit äußerster Brutalität geführten Bürgerkriegen sind 90 Prozent der Opfer keine Kämpfer, sondern Zivilisten. „Ganz offensichtlich sind Kinder zunehmend die Ziele und nicht nur zufällige Opfer bewaffneter Konflikte“, erklärt Graça Machel, die im Auftrag des Generalsekretärs der Vereinten Nationen die Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Kinder untersuchte.
Vergewaltigungen werden heute als militärische Taktik eingesetzt. In einigen von Krieg betroffenen Regionen vergewaltigen Aufständische in den von ihnen überfallenen Dörfern praktisch jedes jugendliche Mädchen, das sie darin vorfinden. Die Vergewaltiger zielen darauf ab, Panik zu verbreiten oder die Familienbande zu zerstören.
Ein Krieg bringt auch mit sich, dass Hungersnot und Krankheiten grassieren. Bürgerkrieg bedeutet, dass weniger Feldfrüchte angebaut und geerntet werden, weniger medizinische Dienste vorhanden sind — wenn überhaupt — und kaum internationale Hilfe die Bedürftigen erreicht. Wie die Untersuchung eines afrikanischen Bürgerkriegs ergab, starben 20 Prozent der Opfer an Krankheiten und 78 Prozent an Hunger. Nur 2 Prozent fanden infolge von Kampfhandlungen den Tod.
Durchschnittlich alle 22 Minuten verliert jemand Gliedmaßen oder sein Leben durch eine Landmine. Mehr als 60 Länder sind mit schätzungsweise 60 bis 70 Millionen Landminen überzogen.
So mancher muss aus seiner Heimat fliehen. Gegenwärtig gibt es weltweit 50 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene — die Hälfte davon sind Kinder.
Was sind die Ursachen?
Was nährt die Flammen grausamer Bürgerkriege? Hass auf andere Völker oder Stämme, unterschiedliche Religionszugehörigkeit, Ungerechtigkeit und politischer Aufruhr — das sind alles wesentliche Faktoren. Eine weitere Grundursache ist Gier — Machtgier und Geldgier. Nicht selten stacheln politische Führer aus Gier zu dem Hass auf, der die Konflikte schürt. In einem von SIPRI veröffentlichten Bericht heißt es, dass viele der an bewaffneten Konflikten Beteiligten „von persönlichem Gewinnstreben angetrieben werden“. Weiter wird darin erklärt: „Die Gier offenbart sich in vielerlei Form, vom groß angelegten Diamantenhandel des Militärs und der politischen Führung bis hin zur Plünderung von Dörfern durch bewaffnete Jugendliche.“
Die allgemeine Verfügbarkeit billiger, aber nicht minder tödlicher Waffen trägt ebenfalls zu dem Gemetzel bei. Über 500 000 Todesfälle pro Jahr — hauptsächlich Frauen und Kinder — sollen auf das Konto so genannter Kleinwaffen gehen. In einem afrikanischen Land kostet ein AK-47-Sturmgewehr so viel wie ein Huhn. Leider sind mancherorts Gewehre schon fast genauso verbreitet wie diese Haustiere. Weltweit gibt es gegenwärtig schätzungsweise 500 Millionen Kleinwaffen und leichte Waffen — 1 Waffe auf je 12 Personen.Mehr als 300 000 Kindersoldaten — Jungen und Mädchen — kämpfen und sterben weiterhin in den endlosen Bürgerkriegen, die unseren Planeten heimsuchen. Ein Rebellenführer sagte über Kindersoldaten: „Sie gehorchen Befehlen. Sie kennen nicht die Sehnsucht, zu Frau oder Familie zurückzukehren. Und sie haben keine Angst.“ Doch diese Kinder brauchen und verdienen ein besseres Leben.
In den Industrieländern scheint die erschreckende Situation der Kindersoldaten zu einer anderen Welt zu gehören. Doch auch in den westlichen Ländern lernen viele Kinder, Krieg zu führen, und zwar in den eigenen vier Wänden. Wie das?
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